Bist du ein Beziehungsmensch?

Meinen ersten Freund hatte ich mit 16. Über die Hälfte meines Lebens habe ich in langjährigen, festen Beziehungen gelebt. Und ich habe mich immer sehr wohl damit gefühlt, denn ich liebe aus vollem Herzen und gebe gerne viel. Die Frage „Bist du ein Beziehungsmensch?“ habe ich daher immer klar mit Ja beantwortet. Mich aber lange Zeit nicht gefragt, wieso eigentlich.

„Das ist halt so“, weil ich mein Leben lang große Schwierigkeiten hatte, allein zu sein. Denn als ich dann mal ehrlich zu mir selbst war, wurde mir klar: Ohne Partner an meiner Seite fühlte ich mich einsam, wertlos und unwürdig auf dieser Welt zu sein. Ich brauchte jemanden, der mich darin bestätigte, dass ich wertvoll bin. Weil ich tief im Inneren davon überzeugt war, dass ich als Mensch nicht liebenswert bin.

Wie das mit dem Aufwachsen in einer Alkoholikerfamilie zusammenhängt und wie sich dieser destruktive Glaubenssatz auf deine Beziehung auswirkt, erfährst du hier. Außerdem gebe ich dir ein paar Fragen an die Hand, mit denen du dein eigenes Verhalten reflektieren und somit die Beziehung zu deinem Partner verbessern kannst.

Die Wahl deines Partnern – Zufall oder Schicksal?

Mit alkoholkranken Eltern aufzuwachsen bedeutet, in einem Haushalt groß zu werden in dem es kaum Stabilität und Sicherheit gibt. Es gibt wenig Raum für liebevolle Fürsorge, genügend Aufmerksamkeit und spielerische Leichtigkeit. Und auch wenn du jetzt erwachsen bist und das längst hinter dir gelassen hast, hat dich das als Kind tief verletzt. Und auch wenn du nun selbst fest auf beiden Beinen stehst und erfolgreich im Job bist, hat das Spuren in deinem Herzen hinterlassen. Und auch wenn du heute vielleicht alles anders machst als deine Eltern und dein Leben soweit läuft, wirkt sich das auf dein Denken und Fühlen aus. 

Aufgrund meiner eigenen Erfahrung und durch Gespräche mit Menschen, die ähnlich aufgewachsen sind wie ich, unterscheide ich grob in zwei „Partnertypen“. Und wenn auch du dazu gehörst, kann es sein, dass du dir immer wieder einen Partner suchst, der 

  • entweder ebenfalls keine leichte Kindheit hatte und mit den daraus resultierenden Schwierigkeiten im Alltag zu kämpfen hat. Jemanden, bei dem du das Gefühl hast, unbedingt für ihn da sein zu wollen. Dem du hilfst, wo du kannst und bei dem du dich verantwortlich fühlst, seine Probleme zu lösen (z. B. Sucht, psychische Probleme). Ein Partner, der dir nicht so viel Liebe entgegen bringen kann, wie du brauchst und dem du dadurch immer mehr von dir gibst, als du zurück bekommst
  • oder einen Partner, der emotional abwesend ist und dem es nicht leicht fällt, Gefühle zu zeigen und auszudrücken. Jemanden, der eher kühl und distanziert ist, sodass es innerhalb der Beziehung schwer fällt, Nähe und Intimität aufzubauen. Ein Partner, der meistens sehr erfolgreich in seinem Beruf ist und seine gesamte Energie in den Job steckt, sodass wenig Zeit und Kraft für dich übrig ist. Jemand, von dem du dich nicht gesehen und manchmal nicht geliebt fühlst, sodass du dir trotz Beziehung einsam vorkommst.

You do not attract what you want. You attract what you are.

– Dr. Wayne Dyer

Es kann sein, dass du mit den beschrieben Typen in Resonanz gehst. Vielleicht aber auch nicht. Wenn du jedoch mit Alkoholismus in der Familie aufgewachsen bist, ist es wahrscheinlich dass du dich immer wieder in einer Beziehung wiederfindest, die dich nicht ganz so erfüllt, wie du es dir wünschst. Die dir immer wieder mal das Gefühl gibt, nicht gut genug oder nicht liebenswert zu sein. Was sich vielleicht dadurch bestätigt, dass du wiederholt betrogen oder verlassen wirst. In der du dich wertlos, unverstanden und alleine fühlst, egal wie sehr du dich für die Beziehung engagierst. Aus der es dir trotzdem schwer fällt, dich zu lösen, weil du Angst hast alleine zu sein.

Ist das Fundament deiner Beziehung Vertrauen oder Angst?

Mir war es lange Zeit nicht klar, weil ich es von klein auf gar nicht anders kannte. Aber Angst und Unsicherheit waren meine ständigen Begleiter im Leben. Das spiegelte sich insbesondere in meinen zwischenmenschlichen Beziehungen wider. Die Angst vor dem Alleinsein ließ mich nie lange Single sein. Das Gefühl, nie wirklich sicher zu sein ließ mich unbewusst zum Kontrollfreak werden.

Fällt es dir schwer, dich einfach mal dem Fluss des Lebens hinzugeben oder andere Menschen (insbesondere deinen Partner) so sein zu lassen, wie sie sind? Wenn es dir an Urvertrauen, Selbstvertrauen und Vertrauen in andere mangelt, gibt dir Kontrolle ein gutes Gefühl und vermeintliche Sicherheit. Dahinter steckt eine tiefe Angst vor dem Unbekannten. Angst vor der Zukunft, die dir vielleicht nicht gefallen wird. Diese Ängste entsteht in der Kindheit durch ein Umfeld, dass einem Kind nicht die nötige Sicherheit bieten kann, die es zum Aufwachsen benötigt. 

Kontrolle auf einen anderen Menschen auszuüben geschieht unbewusst und nicht böswillig. Und deswegen fällt es oft gar nicht auf. Aber frage dich an dieser Stelle einmal, ob das auf dich zutreffen könnte. Einen anderen Menschen in seinem Handeln, Denken und Fühlen kontrollieren zu wollen erstickt jede Chance, Raum für echtes Vertrauen zu schaffen. 

Aufrichtiges Vertrauen ist die Basis einer gesunden, funktionierenden Beziehung. 

Ohne Vertrauen kann es sehr leicht zu Konflikten und Missverständnissen kommen. Besonders nach dem die glücklichen Anfangsmonate einer Partnerschaft vorbei sind, gibt es immer öfter Auseinandersetzungen. Streitereien, in denen nicht offen und ehrlich kommuniziert wird, weil es dir und deinem Partner schwer fällt, eure Gefühle auszudrücken. Oder überhaupt die eigenen Gefühle zu verstehen und sie zu benennen. Negative Gefühle wie Wut, Enttäuschung, Trauer und Hilflosigkeit stauen sich an, bis das Fass überläuft. Die Folge ist entweder völlige Eskalation bei Konflikten durch Explosion der Gefühle. Oder schmerzhafte Implosion, weil ihr stillschweigend beschlossen habt, euch zu ignorieren und die nächsten Tage lieber aus dem Weg zu gehen, in der Hoffnung dass sich eure Probleme von selbst auflösen. 

Da ist eine tiefe Sehnsucht in dir. Dein Herz, dass sich aufrichtige Nähe, Harmonie und Intimität innerhalb der Beziehung wünscht. Dass sich fallen lassen und vollständig hingeben möchte, es allerdings nicht kann. Weil es sich nicht vollständig öffnen will, aus Angst zu nah zu sein. Denn zu nah zu sein birgt immer die Gefahr, tief verletzt zu werden. 

Wahrhaftiges Vertrauen ist der Schlüssel zu einer innigen, liebevollen Partnerschaft.

Was du tun kannst: Dich selbst innerhalb der Beziehung mit Achtsamkeit beobachten. 
Frage dich: In welchen Situationen handle ich aus Angst? Wann versuche ich zu kontrollieren? Wo fällt es mir schwer, zu vertrauen?

Entscheide dich in solchen Momenten, es diesmal anders zu machen.
Lege den Fokus darauf, behutsam zu agieren statt nur zu reagieren.

Die Suche nach Liebe und Anerkennung

Mein Selbstwertgefühl war in meiner Kindheit und Jugend sehr gering. Ich habe mich schon immer total falsch gefühlt, wurde in der Schule gemobbt und zu Hause habe ich auch nicht wirklich das Gefühl vermittelt bekommen, wertvoll zu sein. Meinen Wert musste ich mir von meiner Umwelt bestätigen lassen, besonders von meinen Partnern. Indem ich Verantwortung für ihr Glück übernahm, ihnen jeden Wunsch von den Lippen ablas und mich zum Teil regelrecht aufopferte. Immer und immer wieder versuchte ich dadurch, mich besser und gut genug zu fühlen.

I give my everything to you and receive almost nothing in return.

Vielleicht geht es dir ähnlich. Vielleicht hast du auch das Gefühl, dass du viel mehr Liebe und Kraft in deine Beziehung steckst, als dein Partner. Und vielleicht erwartest du innerhalb der Beziehung, dass das was du gibst, auch genauso zurück kommen soll. Weil es eben das ist, was echte Liebe für dich ausmacht. Du nimmst eine Partnerschaft ernst, sorgst und kümmerst dich. Weil es dich erfüllt, deinen Partner glücklich zu machen und weil du ganz viel zu geben hast. Denn wenn du liebst, liebst du richtig und das ist etwas wirklich Wundervolles! 

Fokussierst du dich allerdings vollständig auf deinen Partner, verlierst du den Blick für dich. Kümmerst du dich ausschließlich um die Bedürfnisse und Wünsche deines Partners, hast du keine Energie mehr, um für dich selbst gut zu sorgen. Übernimmst du volle Verantwortung für das Wohlergehen deines Partners, entscheidest du dich dagegen, Verantwortung für dein eigenes Glück zu übernehmen. Unterbewusst bist du dann in einer hohen Erwartungshaltung gegenüber deinem Partner. Wenn dieser dir nicht das gibt, was du brauchst, bist du enttäuscht und verletzt. Du bist emotional abhängig von deinem Partner, weil du ihn brauchst, um dich gut zu fühlen. 

Wenn du von der Bestätigung und Anerkennung deines Partners angewiesen bist, reagierst du sehr sensibel darauf, wenn du keine Aufmerksamkeit und Liebe bekommst. Du nimmst Dinge schnell persönlich und sofort kommt in dir die Angst hoch, nicht gut genug zu sein. Nicht wirklich liebenswert zu sein und den anderen verlieren zu können. Dadurch fällt es dir auch schwer, Nein zu sagen und Grenzen zu setzen, denn was ist wenn du dann dafür verurteilt oder verlassen wirst? 

Eine Endlosspirale entsteht. Selbst wenn du von deinem Partner das gute Gefühl bekommst, sitzt tief in dir der Glaube, dass du nicht gut bist so wie du bist. Wodurch du immer das Gefühl hast, geben zu müssen und dass das was du gibst, nicht ausreicht. Du verlierst dich selbst, weil du ständig damit beschäftigt bist, Anerkennung im Außen zu suchen. Solange, bist du diesen Glaubenssatz auflöst und die darunter liegende Wunde heilst. Denn all das basiert auf den tief sitzenden Ängsten, die dadurch entstanden sind, dass du auch als Kind diese Bestätigung und Anerkennung nicht erhalten hast. Obwohl du sie so dringend gebraucht hättest.

Was du tun kannst: Dir deine negativen Glaubenssätze bewusst machen und sie verstehen.
Frage dich:
Was hast du in deiner Kindheit erlebt, dass dich zu diese Glauben geführt hat? Welches Verhalten von anderen hat in dir diese Verletzung verursacht? In welchen Situationen hast du dich nicht geliebt bzw. beschützt gefühlt?

Erlaube dir die Beziehung zu führen, die du verdienst

Erkennst du dich in dem Artikel wieder? Wenn du gerade in einer unglücklichen Beziehung steckst, dann möchte ich dich jetzt liebevoll daran erinnern, wie wertvoll du bist. Dass du alles Glück dieser Welt verdient hast und dass eine gesunde Beziehung auf Augenhöhe dazu gehört. Ich möchte dich dazu einladen, dich nicht mehr klein zu halten und dir selbst zu gestatten, dein Leben mit einem Menschen zu verbringen, der dich aufrichtig wertschätzt und liebt, so wie du bist. Der dir den Freiraum gibt, dich vollends zu entfalten und dem es wichtig ist, dass es dir gut geht. Der dir Kraft gibt, wenn es dir mal nicht so gut geht und der bereit ist, dir das zu geben, was du brauchst. Ohne Bedingungen, ohne Erwartungen und ohne Besitzansprüche.

Denn nichts Geringeres hast du verdient. Erlaube dir, in Liebe und Dankbarkeit loszulassen, was dich nicht erfüllt oder dir vielleicht sogar das Leben erschwert. Erlaube dir, in deiner ganzen Schönheit zu strahlen und dieses Strahlen mit der Welt zu teilen, egal ob mit deinem Partner, deinen Freunde, deine Familie oder einem Fremder auf der Straße.

Erlaube dir, glücklich zu sein.
Ganz viel Liebe an dich, deine Mel


Öfter Nein Sagen

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