Co-Abhängigkeit im Alltag

Immer wieder spricht man bei Angehörigen von Alkoholkranken von Co-Abhängigkeit. Partner und Kinder versuchen oftmals vergeblich, dem Alkoholproblem mit viel Fürsorge, Verständnis oder auch gezieltem Kontrollieren und Drohen entgegenzuwirken. Wenn wir dann zu sehr unter der Sucht unseres geliebten Menschen leiden, neigen wir dazu, co-abhängig zu werden.

Aber hinter Co-Abhängigkeit steckt noch viel mehr als nur das Verhalten gegenüber einem suchtkranken Menschen. Co-abhängig ist im Grunde jeder,

„der ein niedriges Selbstwertgefühl hat, sich von der Beziehung zu einem anderen Menschen abhängig macht und taub für seine eigenen Gefühle und Bedürfnisse ist.“

Hast du dich auch schon gefragt, wie sich das im Alltag – ohne den direkten Bezug auf Alkoholismus – bemerkbar macht? Und welche Verhaltensmuster und Gefühle eindeutig für Cosucht sprechen? Oder mit welchen typischen Problemen Co-Abhängige ständig konfrontiert sind?

Im Folgenden habe ich 33 Merkmale aufgelistet, die dich darauf aufmerksam machen, dass du co-abhängig bist. Es müssen nicht immer alle auf dich zutreffen. Sie geben dir nur eine Richtung und Orientierung, damit du dich im täglichen Leben besser reflektieren kannst. Werde dir bewusst, dass sich hinter fast all diesen Verhaltensweisen ein niedriges Selbstwertgefühl verbirgt.

Gehe davon aus, dass du co-abhängig bist, wenn

  • du eine Beziehung (jeglicher Art) zu einem suchtkranken Menschen führst

  • du während deiner Kindheit schon früh erwachsen werden musstest

  • es als Kind deine Aufgabe war, dass die Familie funktioniert

  • bereits die Vorstellung, „Nein“ zu sagen, dir die Kehle zuschnürt

  • du Schwierigkeiten hast, Kritik anzunehmen

  • es dir schwer fällt, „dysfunktional“ und „normal“ zu unterscheiden

  • du dich für die Fehler anderer schuldig fühlst

  • sich „Ja“ sagen für dich wie eine Verpflichtung anfühlt, und nicht wie eine Option

  • du die Frage „Wie geht’s dir?“ grundsätzlich mit „Gut.“ beantwortest, auch wenn es nicht so ist

  • da „nur noch diese eine Sache“ fehlt, damit sich dein Leben endlich grundlegend ändern kann

  • du an deinem freien Tag mehr eingespannt bist, als an deinem Arbeitstag

  • du für deine Freunde immer der Helfer/Seelentröster/Therapeut bist

  • du glaubst, dass sich deine Probleme auflösen, wenn du sie verdrängst

  • du immer das Gefühl hast, dass du mit deinen Ansichten und Argumenten falsch liegst

  • du andere Menschen fragst, wie du dich entscheiden sollst

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  • du denkst, Lügen ist besser, als die Gefühle deines Gegenübers zu verletzen

  • du dich immer wieder zu Dingen überreden lässt, auf die du eigentlich gar keine Lust hast

  • „Es tut mir Leid“ zu deinen Standard Antworten gehört

  • du über etwas abstimmen lässt, damit du dir deine „eigene“ Meinung bilden kannst

  • du Ratschläge erteilst, auch wenn andere sie gar nicht wollen

  • du immer in die Rolle des Helfers schlüpfst, dir aber selbst nicht helfen lässt

  • andere sich darüber ärgern, dass du nicht aufhören kannst, ständig zu helfen

  • im Leben eigentlich alles ganz gut läuft und du dich trotzdem schlecht fühlst

  • du die Bedürfnisse und Gefühle anderer für wichtiger hältst, als deine eigenen

  • es dich kränkt, sobald andere dein Aufopfern nicht wertschätzen

  • die schlechte Laune von anderen deine eigene Laune runterzieht

  • du dich wertlos und einsam fühlst, wenn du alleine bist

  • du bereits zum 14. Mal versuchst, deine toxische Beziehung zu beenden

  • du immer versuchst, alles besser oder perfekt zu machen

  • du das Gefühl hast, nur existieren zu dürfen, wenn du dich für andere engagierst

  • du taub für deine eigenen Bedürfnisse bist

  • du dich schnell ungerecht behandelt fühlst

  • du in ständiger Angst lebst, von anderen verurteilt oder zurückgewiesen zu werden

Fazit

Fast alle dieser Dinge entspringen tief verwurzelten Glaubenssätzen und sind Teil von festgefahrenen Gewohnheiten. Manche wirken so normal und vertraut, dass wir sie gar nicht mit Co-Abhängigkeit in Verbindung bringen. Auch ich habe mein Leben lang mit diesen Problemen gekämpft, ohne überhaupt zu wissen, dass der Ursprung in meinem niedrigen Selbstwertgefühl lag.

Ich hatte eher den Eindruck, dass ich eben einfach so war, wie ich war – nämlich perfektionistisch, unsicher, schuldig und auch irgendwie falsch. Als ich aber eine Erklärung für mein Verhalten fand und mir klar wurde, dass ich seit meiner Kindheit co-abhängig war, war ich endlich in der Lage diese Dinge an mir zu ändern.

Tatsache ist, dass ich in einer Alkoholikerfamilie aufgewachsen bin.

Ich war fast mein ganzes Leben lang co-abhängig und trage Narben aus meiner Kindheit. Aber muss ich deswegen auf ewig leiden? Muss ich mich freudlos durch das Leben boxen, wie es mir vorgelebt wurde?

Nein.

Ich betrachte mich nicht mehr länger als Opfer meiner Umstände, sondern nehme Veränderungen aktiv in die Hand. Mit täglicher Arbeit an mir selbst fand ich schließlich zu mehr Selbstvertrauen und einem echten Selbstwertgefühl.

Und das gelang mir letztendlich nur, weil ich uneingeschränkt die Verantwortung für mein Leben übernahm.

Wenn du dich in den obigen Anzeichen wiederfindest und bereit bist für Veränderungen, kann ich dir garantieren:

Selbst wenn du nur einen kleinen Funken Mut, Geduld und Ausdauer in dir verspürst, die Dinge aktiv anzugehen, kannst du es schaffen. Du kannst dir ein erfülltes Leben kreieren, dass nicht negativ mit Co-Abhängigkeit behaftet ist. Du darfst richtig glücklich werden! Und du bist jederzeit in der Lage, für deine Freiheit und Zufriedenheit selbst zu sorgen.

Bock, gleich damit anzufangen? Dann schau mal hier:

Wenn du wissen willst wie du einem alkoholkranken Menschen wirklich helfen kannst, dann lade dir mein kostenloses E-Book runter. Weitere Infos dazu findest du hier: „10 Taktiken, die jeder Angehörige eines Alkoholikers kennen muss“

Kennst du schon die Cosucht Frei Community – exklusiv für Kinder alkoholkranker Eltern? Trete gleich bei für ein Leben abseits vom Alkoholismus.


Wenn dir dieser Artikel geholfen hat, kannst du dich bei mir bedanken, indem du ihn mit Gleichbetroffenen teilst. Foto: unsplash.com

Bist du dir deiner Verhaltensmuster und Glaubenssätzen bewusst? Woran merkst du im Alltag, dass du co-abhängig bist? Ich freue mich über deinen Kommentar!

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2 Kommentare
  • Nihan
    Antworten

    Hi, Mel!

    Was für massig Arbeit, all diese Dinge zu recherchieren und zusammen zu fassen! Das ist Dir wirklich sehr gut gelungen und ich möchte Dir dafür danken! Mich bewegt gerade die Tatsache, dass ich mein früheres Selbst in diesen Verhaltensmustern erkenne, dazu, hier noch Folgendes zu kommentieren: Ich habe am meisten bei dem Punkt „sich für andere aufopfern und nichts zurückbekommen“ gestockt… Das ist für mich der Inbegriff meiner derzeitigen Erkennntisse – denn genau das war immer mein Problem. Ich habe versucht, aus Freundlichkeit und aus Erziehung heraus, immer die Belange der anderen in den Vordergrund zu stellen und erkannte dabei gar nicht, dass ich keinerlei Grenzen zu setzen fähig war, weil niemals in meiner Kindheit gelernt! Man war kein Individuum, sondern müsste funktionieren, um die Gemeinschaft der Familie in allem zu unterstützen… Nun, ich werde noch sehr viel darüber nachdenken, vielen Dank noch einmal!
    Herzliche Grüße

    • Mel
      Antworten

      Hallo Nihan,

      danke für deinen Kommentar!
      Das Thema Grenzen setzen ist definitiv ein wichtiger Ansatz und Voraussetzung für ein gesundes Selbstwertgefühl. In meinem kommenden Artikel werde ich näher darauf eingehen. Sei gespannt 🙂

      Liebe Grüße
      Mel

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