Alkohol ist nicht nur ein Nahrungs-, Genuss- und Rauschmittel, sondern gleichzeitig auch ein Zellengift. In Deutschland sterben jährlich etwa 42.000 Menschen an den Folgen von Alkoholismus. Abgesehen davon liegt die Lebenserwartung von Alkoholikern ungefähr 15 Jahre unter dem Durchschnitt (Männer: 78 Jahre; Frauen: 83 Jahre).

Alkoholkonsum landet somit hinter Tabakrauchen und Bluthochdruck auf Platz 3 der Hauptursachen für Krankheiten und vorzeitigen Tod. Andere Faktoren wie Übergewicht, erhöhter Cholesterinspiegel oder illegalen Drogen liegen weit dahinter.

Die Frage ist hierbei allerdings nicht, ob Alkohol eine bestimmte Krankheit auslöst, sondern vielmehr: Wie stark wächst das Risiko für eine bestimmte Krankheit mit zunehmendem Alkoholkonsum? Und welche Organe des Körpers werden durch Alkohol besonders beschädigt?

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Alkohol – das schädliche Gift

Tatsache ist: Alkohol ist ein Gift, welches auf Dauer zu einer Vielzahl von Schädigungen im Körper führt. Insgesamt wird er mit über 200 (!) Erkrankungen in Verbindung gebracht. Die meisten körperlichen Folgen treten allerdings erst mit erheblicher Zeitverzögerung auf. Aus diesem Grund fällt es vielen Menschen schwer, die gesundheitlichen Risiken von Alkoholkonsum ernst zu nehmen.

Außerdem wirken Alkoholschäden oftmals mit anderen gesundheitsschädlichen Verhaltensweisen zusammen, wie beispielsweise Rauchen, schlechte Ernährung oder mangelnde Bewegung. Darüber hinaus hängt die individuelle Verträglichkeit von Alkohol von verschiedenen Faktoren ab, wie z. B. Geschlecht, Alter, körperliche und mentale Verfassung oder Alkoholtoleranz. Es bestehen dabei erhebliche Unterschiede, wie empfindlich einzelne Organe eines Menschen auf Alkohol reagieren. Während eine Person hauptsächlich Leberschäden davon trägt, wird bei einer anderen Person mehr das Gehirn geschädigt.

Fast jedes Organ ist betroffen

Alkohol gelangt in unser Blut und wird deshalb letztendlich im ganzen Körper verteilt. Somit wirkt sich Alkohol auf fast alle Bereiche des Körpers negativ aus. Bei regelmäßig erhöhtem Konsum kommt es in fast allen Geweben zu drastischen Zellschädigungen.

Zu den zahlreichen Organschäden gehören vor allem Veränderungen der Leber, des Gehirns und des Herzens. Darüber hinaus steigt bei massivem und langfristigem Alkoholkonsum das Krebsrisiko (Mund-, Rachen-, Speiseröhrenkrebs und bei Frauen Brustkrebs). Aber auch ein abruptes Absetzen des Alkohols kann zu unangenehmen Entzugserscheinungen führen: Krampfanfälle, Bewusstseinsstörung, erhöhter Puls und Bluthochdruck.

In höheren Mengen ist Alkohol eindeutig ungesund. Ab welcher Dosis langfristige Organschäden drohen, lässt sich allerdings nicht mit Bestimmtheit sagen. Sicher ist jedoch, dass neben der durchschnittlichen Trinkmenge, insbesondere das Trinkverhalten für körperliche Schäden ausschlaggebend ist.

Ein Überblick über die häufigsten Organschäden durch Alkohol findest du im Folgenden:

Herzschäden und Nervenentzündungen

Herzschäden

Aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen besteht heutzutage die Annahme, regelmäßiger Alkoholkonsum könne das Risiko für einen Herzinfarkt senken. Weit verbreitet ist daher der Trugschluss, Alkohol sei gesund. Dabei kann Alkohol schon in relativ kleinen Mengen (0,25l Wein täglich) zu einer Erhöhung des Blutdrucks führen. Entsprechend ist bei 30% der Bluthochdruck-Patienten Alkohol die wesentliche oder sogar einzige Ursache.

Erhöhter Blutdruck bedingt wiederum ein erhöhtes Risiko für das Auftreten von Schlaganfällen. Außerdem erhöht Alkohol die Blutfette und führt aufgrund seines enormen Kaloriengehaltes zu Übergewicht, wodurch abermals Herz- und Kreislaufprobleme begünstigt werden.

Darüber hinaus schädigt Alkohol die Funktion des Herzmuskels (»Kardiomyopathie«). Der Herzmuskel ist erweitert und in seiner Funktion deutlich geschwächt, wodurch die körperliche Belastbarkeit stetig sinkt. Durch jedes Gramm Alkohol, welches man im Laufe des Lebens aufnimmt, steigt das Risiko für eine Herzschwäche.

Nervenentzündungen

Eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen bei chronischem Alkoholkonsum ist die alkoholische »Polyneuropathie« – eine Nervenentzündung, die mit Schmerzen und Lähmung der Beine verbunden ist. Selten sind dabei auch die Nerven der Arme oder des Gesichts- und Kopfbereichs betroffen. Diese Alkoholschädigung betrifft mindestens jeden 5. Alkoholabhängigen. Typischerweise beginnt die Krankheit mit Taubheitsgefühlen, Kribbeln und leichten Schmerzen.

Schreitet die Nervenentzündung voran, kommen Schwäche und Lähmung der Muskulatur hinzu. Das Geh- und Stehvermögen wird dadurch massiv beeinträchtigt. Betroffene klagen immer wieder über Wadenkrämpfe, ziehende Schmerzen und unangenehmes Kribbeln.

Gehirnschrumpfung, Wesensveränderung und Korsakow-Syndrom

Gehirnschrumpfung

Das Gehirn gehört zu den am häufigsten und schwersten betroffenen Organen, wobei die Schäden oft erst viel zu spät bemerkt werden. Alkohol tötet vorhandene Gehirnzellen, wodurch bei langjähriger Abhängigkeit das Gehirn mit der Zeit schrumpft (»Atrophie«). Diese Hirnschrumpfung geht im späten Stadium auch mit einer Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit einher, wie geringere Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnisstörungen und langsameres Denken.

Der Mensch besitzt allerdings über eine große Vielzahl an Gehirnzellen, sodass das Schrumpfen des Gehirns lange Zeit erst einmal keine Auswirkungen auf Betroffene hat. Trotzdem können einmal abgestorbene Gehirnzellen nicht mehr nachgebildet werden. Der Vorrat der menschlichen Gehirnzellen wird somit durch den Konsum von Alkohol systematisch verkleinert.

Wesensveränderung

Weiterhin ist bei Alkoholabhängigen häufig das Kleinhirn betroffen, welches für die Koordination und Bewegung verantwortlich ist. Es kommt somit zu Unsicherheiten beim Gehen, verstärktem Zittern wie auch zu verwaschender bzw. lallender Sprache.

Auch das Frontalhirn nimmt durch Alkohol enormen Schaden, wodurch sich die Persönlichkeit der Betroffenen merklich verändert. Sie können nicht mehr einer Situation angemessen reagieren und legen folglich ein unangebrachtes oder albernes Verhalten an den Tag. Meistens sind chronische Misslaune oder plötzliche Gefühlsausbrüche die Folge.

Korsakow-Syndrom

Die schwerste Form der Gehirnschädigung durch Alkohol wurde nach dem russischen Psychiater Sergej Korsakow benannt. Die Krankheit tritt meist erst nach jahrelangem chronischen Alkoholmissbrauch auf.

Das Korsakow-Syndrom beschreibt das Absterben entsprechender Gehirnregionen, wodurch Alkoholkranke einen weitgehenden Gedächtnis- und Orientierungsverlust erleiden. Diese Störung zeigt sich unter anderem durch die Verschlechterung des Auffassungsvermögens und dem Schließen von Gedächtnislücken mit frei erfundenen Inhalten.

Im Extremfall existiert für Betroffene kein »gestern« und kein »morgen« mehr, sie können nicht mehr zuordnen, wo sie sind und erkennen zum Teil auch engste Bezugspersonen nicht wieder. Dieser Zustand ist in der Regel auch durch Abstinenz nicht mehr heilbar und ist somit der zwangsläufige Endzustand von Alkoholismus. Häufig sind solche Patienten Pflegefälle und bleiben dauerhaft in psychiatrischen Einrichtungen untergebracht.

Fettleber, Leberentzündung und Leberzirrhose

Alkohol wird (wie auch viele Medikamente) fast ausschließlich in der Leber abgebaut. Sie ist demnach der Hauptangriffspunkt des Alkohols. Die Leistungskapazität der Leber jedes Menschen ist begrenzt.

Bei länger andauerndem Konsum größerer Mengen Alkohol, kommt die Leber infolgedessen mit dem Abbau nicht mehr hinterher. Es kommt entsprechend zu schwereren Schäden. Ein Leberschaden verläuft typischerweise in drei Phasen:

1. Leberverfettung

Bei mindestens der Hälfte aller Alkohlkranken entwickelt sich die sog »Fettleber«, d. h. in den Leberzellen lagert sich Fett ab und das Volumen der Leber vergrößert sich. Des Weiteren verfärbt sie sich von Dunkelrot in Richtung Hellbraun.

Betroffene bemerken die Verfettung ihrer Leber eher selten, sie klagen höchstens über geringen Appetit, morgendliche Übelkeit oder ein Völlegefühl. Meistens muss die Fettleber durch eine entsprechende Blutuntersuchung vom Arzt festgestellt werden.

Die Ursachen einer alkoholbedingten Fettleber sind:

  • Erhöhte Fettproduktion (bedingt durch den Abbau großer Alkoholmengen) die nicht mehr abtransportiert werden können und somit in den Zellen eingelagert werden
  • Schädigung des Transportsystems durch Alkohol, sodass sich noch mehr Fett in der Leber ansammelt

In der Regel bildet sich eine Fettleber bei Alkoholabstinenz innerhalb von einigen Wochen wieder zurück. In diesem Stadium bleibt daher kein Leberschaden zurück, was aber wiederum nicht bedeutet, dass damit die Alkoholabhängigkeit der Betroffenen behoben ist.

2. Leberentzündung

Leberentzündungen können sich auf ganz verschiedene Arten auswirken: weitgehende Beschwerdelosigkeit bis hin zu Verdauungsstörungen oder Gelbsucht (»Hepatitis«). Bei einer durch Alkohol bedingten Leberentzündung kommt es durch den Überschuss des hochgiftigen »Acetaldehyd« (Zwischenprodukt des Alkoholabbaus) zum Absterben von Leberzellen. Häufig ist der Oberbauch dann schmerzempfindlich, weiterhin machen sich Übelkeit und Erbrechen, aber auch Fieber und Schwitzen bemerkbar.

Die Leberwerte können sich bei Abstinenz wieder normalisieren und die Entzündung somit gestoppt werden. Allerdings bleiben bei Betroffenen dauerhafte Schäden zurück: Die Leber ist nicht mehr so belastbar wie früher. Kommt es zum Alkoholrückfall, kann eine Leberentzündung wieder am gleichen Punkt anknüpfen, an dem sie einst zum Stillstand gebracht wurde.

3. Leberzirrhose

Eine Leberzirrhose ist lebensbedrohlich und die mit Abstand häufigste Todesursache bei Alkoholkranken. Etwa 15% aller Alkoholiker sind davon betroffen. Das Risiko dieser Erkrankung ist erhöht, wenn Betroffene gleichzeitig rauchen und Kaffee trinken. Bei dieser äußerst gravierenden Störung wird das Gewebe der Leber durch Bindegewebe ersetzt, sodass das geschädigte Lebergewebe vernarbt.

Die durch eine Fettleber und Leberentzündung bedingten Beschwerden treten nun vermehrt auf. Die Funktionsfähigkeit der Leber als Stoffwechselorgan ist fortan stark eingeschränkt, wodurch Betroffene nur noch eine verhältnismäßig kleinere Menge an Alkohol vertragen. Diese sog. »Toleranzmilderung« wird dann fälschlicherweise zum Teil als Besserung interpretiert, da Betroffene entsprechend weniger trinken.

Darüber hinaus werden weitere zahlreiche Körperfunktionen beeinträchtigt. Dies kann die Bildung von Krampfadern (z. B. in der Speiseröhre) oder Hämorrhoiden zur Folge haben. Weiterhin kann es zu Wasserstaus (sog. »Ödemen«) kommen, wodurch bei Betroffenen ein »Wasserbauch« entsteht oder sich »Wasser in den Beinen« bildet. Auch eine Blutgerinnungsstörung ist möglich, sodass kleinere Verletzungen nicht mehr normal abheilen können und stattdessen dauerhaft und stark bluten.

Eine Leberzirrhose kann selbst bei dauerhafter Alkoholabstinenz nicht mehr geheilt, manchmal sogar nicht einmal mehr gestoppt werden. Letzten Endes stellt eine fortschreitende Leberzirrhose eine schleichende Selbstvergiftung des Körpers dar, weil die Leber ihrer Entgiftungsfunktion kaum noch nachkommen kann. Die Folge ist schließlich ein besonders qualvoller Tod.

Bauchspeicheldrüsenstörung und Magenschleimhautentzündung

Bauchspeicheldrüsenstörung

Eine weitere gefährliche Folge von Alkoholismus ist die Bauchspeicheldrüsenentzündung (»Pankreatitis«) – sie kommt bei Alkoholkranken sehr häufig vor. Alkohol behindert den Eiweißtransport, sodass es aufgrund von Eiweißablagerungen zu einer Verengung des Ausführungsganges der Bauchspeicheldrüse kommt.

Oftmals wird diese Krankheit auch durch eine sehr fett- und eiweißreiche Ernährung begünstigt. In den meisten Fällen klagen Betroffene über starke Schmerzen im Oberbauch sowie Verdauungsstörungen und Durchfall.

Über die Hälfte der Alkoholkranken entwickelt eine chronische Bauchspeicheldrüsenstörung. Sie führt zu einer geringeren Verträglichkeit von Alkohol und fetten Speisen. Eine fettarme Ernährung und absolute Alkoholabstinenz sind notwendig, um nachfolgende, lebensgefährliche Schädigungen abzuwenden. Bei entsprechendem Schaden der Bauchspeicheldrüse kann der Betroffene zuckerkrank (»Diabetiker«) werden.

In 5% der Fälle kommt es zu einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung, die sich in sehr heftigen Schmerzen im Oberbauch und starkem Erbrechen äußert. Damit beginnt eine lebensbedrohliche Selbstverdauung bzw. Selbstzerstörung der Bauchspeicheldrüse, die zwar durch Abstinenz und Ernährungsumstellung gestoppt, oft aber nicht mehr geheilt werden kann.

Magenschleimhautentzündung

Chronischer Alkoholkonsum verursacht kleinere Blutungen der MagenschleimhautGastritis«), die sogar zu Magenblutungen mit Bluterbrechen führen kann. Insbesondere Bier und Weißwein sind für die Magensäure schädlich.

Typische Begleiterscheinungen einer Magenschleimhautentzündung sind bspw. Schmerzen, Völlegefühl, Brechreiz und Appetitlosigkeit. Eine Magenschleimhautentzündung wird in der Regel durch eine Magenspiegelung diagnostiziert und klingt in der Regel bei Alkoholabstinenz wieder ab.

Fazit

Die Lebenserwartung wird insbesondere durch chronischen Konsum von Alkohol stark beeinträchtigt. Sie ist im Vergleich von Alkoholkranken zu Nichtalkohlkranken jedoch im einzelnen schwer zu beurteilen. Schließlich stellt Alkoholismus allein selten die Todesursache bei Alkoholkranken dar.

Schließlich können viele der oben aufgeführten alkoholbedingten Krankheiten auftreten und auch letztlich zum Tode führen. Weiterhin ist zu bedenken, dass das Konsumieren anderer Rauschmittel (insbesondere Nikotin) die Schädigung der verschiedenen Organe begünstigt. Dadurch sinkt die Lebenserwartung zusätzlich.

Jeder Mensch sollte sich seinem eigenem Trinkverhalten bewusst sein, denn:

Wer ständig zu viel Alkohol trinkt, gefährdet seine Gesundheit. Und dies gilt schließlich nicht nur für Alkoholabhängige.

 


Grundlage dieses Artikels bilden die Bücher „Lieber schlau statt blau“ von Johannes Lindenmeyer und „Wenn Alkohol zum Problem wird“ von Franz Dittmar. Foto: unsplash.com

Eine weiterführende Beschreibung des Korsakows-Syndroms und weiteren psychischen Schäden findest du hier.

Welche körperlichen Schäden hast du bei Alkoholkranken beobachtet? Hast du sogar bereits erlebt, wie ein Alkoholiker an den Folgen seiner Sucht gestorben ist? Ich freue mich über einen Kommentar mit deiner Erfahrung zum Thema.

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