Alkoholismus – ein endloser Teufelskreis

Als Kind eines Alkoholikers kommst du irgendwann am tiefsten Punkt deines Lebens an. An diesem Punkt hast du nur noch blasse Erinnerungen an Gefühle wie Freude, Sorglosigkeit und Zuversicht. Dein Leben ist von Düsterkeit umgeben und wird bestimmt von tiefem Seelenschmerz, endloser Verzweiflung und anhaltendem Kummer. So oft wurdest du enttäuscht, belogen und gepeinigt. So oft hast du gehofft, geglaubt und verziehen. So oft hast du diese bittere Schlacht gekämpft und nicht gewinnen können.

Dabei hast du sehr viel Geduld aufgebracht, bist immerzu stark geblieben und hast den Glauben an eine bessere Zukunft nie aufgegeben. Aber am tiefsten Punkt deines Lebens bist du einfach mit deinen Kräften am Ende angelangt.

Du weißt nicht, wie du diese ganze Kraft, die du so dringend benötigst, weiterhin aufbringen sollst. Du spürst, dass du daran zerbrichst, wenn nicht bald eine Wende eintrifft. Du merkst, dass dein Leben zerstört wird, wenn sich nicht bald etwas an dieser aussichtslosen Situation ändert.

Abhängige Menschen sind krank

Dieser geliebte Mensch hat ein Alkoholproblem, welches du immer wieder mit Drohungen und Kontrolle versucht hast, in den Griff zu bekommen. Du siehst aber, dass das mit dem Alkohol nicht so einfach zu bewältigen ist. Weil du eigentlich weißt, dass sich längst eine Sucht daraus entwickelt hat.

Warum will Mama oder Papa nicht einfach aufhören zu trinken und die Sucht überwinden? Weil Sucht keine Willensschwäche, sondern eine ernsthafte Krankheit ist. Sie ist allerdings keine gewöhnliche Krankheit wie eine Grippe oder Rückenschmerzen.

Alkoholsucht bedeutet, nicht mehr verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen zu können und keine Kontrolle mehr über das eigene Trinkverhalten zu haben.

Auf Dauer kann ein alkoholabhängiger Mensch somit nicht weniger oder in Maßen trinken, auch wenn er fest davon überzeugt ist. Alkoholismus ist eine schwere Erkrankung, die nicht einfach auskuriert oder genesen werden kann. Sie kann höchstens mit völliger Abstinenz gestoppt und zum Stillstand gebracht werden.

Es muss erst »Klick« machen

Das gelingt aber nur, wenn der alkoholabhängige Elternteil seine Sucht selbst erkennt. Wenn er sich selbst eingesteht, dass er sein Alkoholproblem nicht einfach mit genügend Willenskraft selbst bewältigen kann. Wenn er bereit ist, Hilfe von außen zuzulassen und anzunehmen. Wenn er wirklich den eigenen Willen zur Veränderung für sich selbst aufbringen kann.

Dieses Eingeständnis erfordert sehr viel Mut und Ehrlichkeit.

Als Angehöriger kannst du den Alkoholkonsum eines Suchtkranken nicht ändern. Nur der Suchtkranke selbst ist fähig seine Situation zu verbessern. Nur er ist in der Lange, sich selbst aus seiner Sucht zu befreien. Einen Trinker, der den Alkohol nicht von ganzem Herzen aufgeben möchte, wirst du niemals (niemals!) von außen dazu bewegen können. Egal, wie sehr du an der Liebe zu ihm festhälst.

Du hast das Recht dich zu schützen

Abgesehen davon, dass du den Alkoholkonsum nicht kontrollieren kannst, ist es auch nicht deine Aufgabe, die Sucht zu besiegen. Auch wenn du verstehst, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, bedeutet das nicht, dass du diese Situation und das Verhalten deines Elternteils als gegebenes Schicksal tolerieren und akzeptieren musst. Du kannst ganz klare Grenzen für dich selbst setzen und deutlich machen, was für dich in Ordnung ist und was für dich zu weit geht.

Du musst dich auf keine Diskussionen mehr einlassen, musst keine Lügen mehr ertragen und du kannst auch verbindliche Konsequenzen ankündigen. Du hast bereits genug für den anderen getan.

Es ist Zeit, dass du von nun an etwas für dich tust.

Die Situation ist schwer, aber du musst dabei auch immer an dich selbst denken. Gehe deinen Hobbies nach, treffe dich mit Freunden und versuche dich abzulenken und zu entspannen. Den Fokus auf dich selbst zu richten fällt dir zunächst schwer und ist sehr ungewohnt.

Wie soll man Spaß am Leben haben, wenn sich die Sorgen permanent um Mama oder Papa drehen? Wie soll man sich entkrampfen, wenn ein geliebte Mensch völlig betrunken im Bett liegt?

Das geht, du hast vielleicht nur nie gewusst wie.

Denn lange Zeit hat sich dein ganzes Leben nur um den Alkohol gedreht. Dein ganzes Denken, Fühlen, und Handeln. Vermutlich hast du sogar bereits eine eigene Abhängigkeit, die Cosucht entwickelt. Es ist verständlich, dass du dich an deine Lebensumstellung erst gewöhnen musst. Aber wenn du den festen Entschluss fasst, wieder glücklich zu sein und du dich selbst niemals dabei aufgibst, wirst du es schaffen.

Dein eiserner Wille zur Veränderung zählt!

Du kannst niemals einen anderen Menschen ändern, nur dich selbst

Egal wie sehr du deine Familie liebst – die einzige Person, für die du Verantwortung übernehmen kannst, bist du selbst.« Mel Peifer

Wenn man nicht mehr versucht, einen anderen Menschen zu ändern, besteht die Chance, dass er sich von selbst ändert. Es gibt immer die Hoffnung, dass ein alkoholkranker Mensch seine Sucht erkennt und sich ihr stellt.

Aber selbst dann hat der Suchtkranke noch einen langen und steinigen Weg vor sich. Der Weg zur Abstinenz ist ein Prozess, der auch (nach Jahren!) mit Rückschlägen verbunden sein kann. Sei darauf gefasst und verliere niemals deinen Optimismus! Alles ist möglich.

Vielleicht wird sich dein Vater oder deine Mutter auch niemals aus seiner Sucht befreien. Aber auch das liegt weder in deiner Macht noch in deiner Verantwortung. Jeder suchtkranke Mensch ist erwachsen und trägt somit die Verantwortung für sich selbst.

Genau wie du die Verantwortung für dich und dein Leben zu tragen hast. Wie auch immer das Schicksal eines anderen Menschen seinen Lauf nimmt, fange heute an dein eigenes Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen!

Du bist nicht allein

Suche dir Hilfe und Unterstützung, statt zu versuchen, alleine mit dem Problem fertig zu werden.

Öffne dich anderen Menschen und sprich dich aus, statt dich in deinen einsamen Gedanken zu verlieren.

Sorge dich nicht mehr um die Zukunft, sondern schöpfe Vertrauen und Mut aus dir selbst. Lass deine Angst und Unsicherheit beiseite und werde dir deiner wahren Kraft und Größe bewusst.

Denk dran: Das Leben hält nur Herausforderung für dich bereit, die du auch meistern kannst. Du kannst alles bewältigen, wenn du an dich glaubst.
Und vergiss nicht: Ich bin für dich da!

Deine Mel

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Bist du in einer Alkoholikerfamilie groß geworden? Wie gehst du mit der Krankheit deiner Eltern um? Ich bin sehr gespannt auf deinen Kommentar!

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Kommentare
  • Nini
    Antworten

    Vielen Dank für den schönen Artikel, Mel! Du hattest an einer anderen Stelle in Deinem Block erwähnt, dass man den Alkoholismus gut mit dem Bild eines lecken Bootes vergleichen könne. Das fand ich sehr schön und sehr passend. Man sagt ja sogar „im selben Boot sitzen“, aber hier erinnerst Du daran, dass jeder eben auch sein eigenes Boot hat! Und wir haben alle das Recht in die Freiheit zu segeln und selbstbestimmt zu leben, oder? So sehr wir auch Teil eines Großen und Ganzen sind… Wir sind ebenso Individuen! Danke für diese kleine Rückbesinnung auf mich selbst!

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