Was schleichend mit einer psychischen Abhängigkeit beginnt, mündet langfristig in eine körperliche Abhängigkeit. Die Rede ist von Alkoholmissbrauch. Langjähriger und massiver Alkoholkonsum ist mit körperlichen aber auch psychischen und sozialen Schäden verbunden.

Da Alkoholismus insbesondere das Gehirn schädigt, kann es neben Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit zu weiteren mentalen Störungen kommen. Alkohol beeinträchtigt aber nicht nur die eigene Gesundheit. Auch Familie, Freunde und die Gesellschaft werden mit den Auswirkungen des Alkoholmissbrauchs konfrontiert.

Welche mentalen Schäden können also durch Alkoholmissbrauch entstehen? Welche psychischen Veränderungen machen sich bei Betroffenen bemerkbar? Und welche Folgen hat Alkoholismus gleichzeitig für das soziale Umfeld?

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Alkohol zerstört das Gehirn

Eine der schwerwiegendsten körperlichen Folgen von Alkoholmissbrauch ist die dauerhafte Schädigung des Gehirns. Dies führt wiederum zu Veränderungen in der Persönlichkeit von Betroffenen wie beispielsweise Aggressionen, Wahnzustände, Lebensmüdigkeit oder Leistungsdefiziten. Die Nachteile durch das Absterben von Hirnzellen äußern sich folgendermaßen:

  • Verschlechterung der Gehirnfunktion
  • Verlangsamte und gestörte Bewegungsmotorik
  • Eingeschränkte Urteils- und Kritikfähigkeit
  • Begrenztes Gefühlsleben (Enthemmung, Apathie, Gleichgültigkeit)
  • Verringerte Merkfähigkeit
  • Verminderte Kapazität zur Informationsverarbeitung
  • Antriebsmangel

Die Persönlichkeit von Alkoholkranken nimmt im Allgemeinen ab. Oft lassen sich dabei plötzlicher Stimmungswechsel oder eine Veränderung des Lebensumfeldes beobachten. Während Hobbies, soziale Kontakte oder die Körperpflege stark vernachlässigt werden, richtet sich das Interesse der Betroffenen immer mehr auf den Konsum oder die Beschaffung von Alkohol.

Auch Aufgaben oder Verpflichtungen in Beruf und Familie verlieren zunehmend an Bedeutung. Sämtliche Dinge, die früher wichtig waren, interessieren ab sofort nicht mehr. Gleichzeitig verstärken sich negative Gefühle wie Angst, wehmütige Stimmung und Schuldgefühle. Zum Teil kommt es sogar zu wiederholten Selbstmordgedanken.

Auf der anderen Seite kann es aber auch zu euphorischer Maßlosigkeit und Enthemmung kommen, die in vielen Fällen zu aggressiven Handlungen führen. Dementsprechend sinkt die Hemmschwelle für Gewalttaten deutlich.

Alkoholhalluzinose

Durch die Alkoholkrankheit können sich auch klare psychische Störungen entwickeln. Dazu zählen Verwirrtheit (auch mit Verlust der Orientierung) und Psychosen. In diesem Zusammenhang spricht man von der sog. »Alkoholhalluzinose«, die der akuten Schizophrenie ähnelt.

Sie zeigt sich dadurch, dass Betroffene bei klarem Bewusstsein an plötzlich auftretenden Halluzinationen (besonders Stimmenhören) leiden. Alkoholkranke berichten, dass die gehörten Stimmen sie beschimpfen oder bedrohen, was Ängste und Unruhe auslöst.

Dieser Zustand kann über Wochen und Monate bestehen bleiben oder sogar chronisch werden. Eine alkoholbedingte Halluzinose ist aber bei Alkoholabstinenz und Anwendung von Psychopharmaka in der Regel gut behandelbar.

Alkoholwahn

Gelegentlich – aber eher selten – entsteht bei Alkoholkranken ein Eifersuchtswahn. Er betrifft fast ausschließlich Männer. Betroffene glauben demnach, von ihren Partnerinnen betrogen zu werden und führen oftmals alberne »Beweise« vor. Sie sind fest davon überzeugt, hintergangen zu werden und lassen sich entsprechend kaum vom Gegenteil überzeugen. Nicht selten kommt es daher zu körperlichen Übergriffen gegen die »untreue« Frau.

Alkoholdelir

Ein sehr gefährlicher psychotischer Zustand ist das Alkoholdelir (»Delirium tremens«). Es ist meistens die Folge eines Alkoholentzugs und in selteneren Fällen auch Bestandteil bei exzessiven Räuschen. Betroffene leiden unter Desorientierung, Unruhe und Angstzuständen. Typisch für das Delir sind Halluzinationen, bei denen die Personen das Gefühl haben, Würmer oder Käfer kriechen auf ihrer Haut.

Das Alkoholdelir zählt als schwerer körperlicher Ausnahmezustand, oftmals begleitet mit einem epileptischen Anfall. Weitere Symptome sind Bluthochdruck, Herzrasen, Zittern, starkes Schwitzen und Fieber. Betroffene müssen notfallmedizinisch versorgt werden. Ohne eine Behandlung führt das Delirium in 15% der Fälle zum Tod.

Korsakow-Syndrom

Das Korsakow-Syndrom tritt häufig nach einem Alkoholdelir oder nach jahrelangem, chronischen Alkoholmissbrauch auf. Das Gehirn hat massiven Schaden erlitten, wodurch es zu Gedächtnislücken und Störungen des Gedächtnisses kommt.

Merkfähigkeit und Orientierung der Betroffenen sind stark eingeschränkt. Neue Dinge können nicht mehr behalten werden. Des Weiteren verknüpfen die Patienten oft unbewusst ihre akuten Erinnerungslücken mit alten Erinnerungen. Betroffene sind in der Regel nicht mehr in der Lage, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln.

Leider gibt es keine effektiven Medikamente gegen diese Störung und die meisten Patienten müssen in Pflegeheimen betreut werden. Ursache des Korsakow-Syndroms ist ein nicht-kompensierbarer Mangel von Vitamin B1, bedingt durch die typische Mangelernährung bei Alkoholkranken.

Soziale Folgen – Wenn das Umfeld mitleidet

Alkoholismus hat nicht nur körperliche und mentale Folgen, sondern zieht auch soziale Konsequenzen nach sich. Wenn sich das Leben der Betroffenen zunehmend auf den Alkohol ausrichtet, hat das schließlich auch negative Auswirkungen auf die Mitmenschen. Die zwischenmenschliche Beziehung zum Partner, Kindern und anderen Bezugspersonen verschlechtert sich unausweichlich.

Neben Auseinandersetzungen und Streitereien kommt es zum Teil auch zu körperlichen Übergriffen, was von Familienmitgliedern häufig hilflos hingenommen wird. Die Persönlichkeit und das Verhalten der Alkoholkranken ändert sich zunehmend. Dies macht sich besonders schnell bei den engsten Verwandten bemerkbar und erschwert ihren Alltag merklich.

Das Ausmaß des Leidens und der Schäden, die die Familie von schweren Trinkern ertragen muss, wird vielfach unterschätzt. Oft beginnt ein gemeinsamer Kampf gegen den Alkohol, der letztlich nur mit Einsicht und Disziplin des Betroffenen gewonnen werden kann.

Nicht selten folgt nach einer jahrelangen Krise und ausbleibender Besserung der Zerfall von Partnerschaft und Familie. Eine Alkoholkrankheit bleibt allerdings auch am Arbeitsplatz nicht unbemerkt. Es kommt oftmals zu Problemen, Krankheitsausfällen und mit der Zeit auch vielfach zur Entlassung. Die Folge: Finanzielle Schwierigkeiten und gesellschaftlicher Abstieg.

Familiengeheimnis Alkoholismus

Die Familie von Alkoholkranken ist meistens als Erstes mit den Folgen von übermäßigem Alkoholkonsum konfrontiert. Zum einen ist da die Sorge um einen geliebten Menschen, zum anderen ist das Zusammenleben mit einem süchtigen Menschen eine extreme Herausforderung: ständige Stimmungsschwankungen, Unzuverlässigkeit, liebloses oder aggressives Verhalten bis hin zu körperlicher Gewalt.

Aber auch Geldsorgen, mangelndes Interesse an der Familie, häufige Abwesenheit von Zuhause oder andere Probleme beeinträchtigen das Leben der Angehörigen. Gegenüber Freunden und Bekannten wird allerdings immer mit aller Kraft versucht, den Schein einer intakten Familie aufrechtzuerhalten.

Aus Liebe, aber auch aus Verzweiflung werden Betroffene vor den negativen Konsequenzen ihres Konsums geschützt. Sie werden gegenüber Verwandten in Schutz genommen oder beim Arbeitgeber für ihr Fehlen entschuldigt. Angehörige sind auf verhängnisvolle Weise in die Krankheit der Betroffenen verwickelt und entwickeln nicht selten auch ihre eigene Krankheit, die sog.
Co-Abhängigkeit.

Im Laufe der Jahre schreitet die Alkoholkrankheit ungehindert fort, sodass Betroffene immer tiefer in ihre Sucht rutschen und irgendwann nicht mehr in der Lage sind, ihren Aufgaben und Verpflichtungen nachzukommen. Partner und Kinder wenden sich zwangsläufig immer weiter von ihnen ab.

Nur die wenigsten Betroffenen entschließen sich mit festem Willen für eine therapeutische Behandlung. Nicht selten kommt es zur Scheidung oder zum kompletten Zusammenbruch der Familie. Oftmals enden Alkoholkranke dann in völliger Vereinsamung und endgültigem Verfall an die Krankheit.

Kinder leiden besonders

Kinder und Jugendliche, die in Familien mit suchtkranken Eltern aufwachsen, sind am schwersten betroffen. Sie können sich selbst kaum vor den direkten und indirekten Folgen des Alkoholismus der Eltern schützen. Eine unbeschwerte Kindheit kann in einer Alkoholikerfamilie aufgrund der alltäglichen Anforderungen, Konflikte und Spannungen nicht gewährleistet werden.

Vor allem werden Kinder durch einen häufigen Wechsel der Gefühle und Stimmungen geradezu überfordert. Alkoholkranke können mal freundlich und liebevoll, aber zum Teil auch grob und unberechenbar sein. Bei einem ständigen Wechsel zwischen Ablehnung und Zuneigung, wissen Kinder schlichtweg nicht, wie sie sich verhalten sollen und sind entsprechend stark verunsichert.

Sie können das (alkoholbedingte) Verhalten ihrer Eltern nicht verstehen und haben auch meistens keinen Ansprechpartner für ihre Ängste, Fragen und Probleme. Sie wissen weder über die Art und den Verlauf der Alkoholerkrankung Bescheid, noch wo sie entsprechende Hilfe bekommen können.

Darüber hinaus leiden sie häufig unter Loyalitätskonflikten, Einsamkeit sowie Scham- und Schuldgefühlen. Andere Probleme ergeben sich aus mangelnder Fürsorge, Sicherheit und Verlässlichkeit. Das Übernehmen von Verantwortung für Haushalt und jüngere Geschwister überfordert Kinder zusätzlich.

Darüber hinaus kommt es zu weiteren Belastungen aufgrund von Gewalt, Missbrauch, Trennung der Eltern oder auch Armut und Arbeitslosigkeit. Die Alkoholkrankheit eines Elternteils wirkt sich stets negativ auf die geistige, seelische und körperliche Entwicklung von Kindern aus, was sich bspw. durch schulische Leistungen bemerkbar macht.

Außerdem besteht für Kinder von Alkoholkranken eine dreifach erhöhte Chance, im späteren Verlauf selbst eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln. Dabei spielen zwar auch genetische Faktoren eine Rolle, entscheidend ist aber vielmehr das von den Eltern erlernte Verhalten. Schließlich wird vom alkoholkranken Elternteil Tag für Tag vermittelt, dass sich Probleme mit Alkohol bewältigen lassen.

Arbeitsplatzverlust und finanzieller Ruin

Wer ein Alkoholproblem hat, fällt irgendwann am Arbeitsplatz negativ auf. Je tiefer die Betroffenen in ihrer Sucht verstrickt sind, desto schwieriger wird es, im Job die geforderte Leistung zu erbringen. Durch schwächere Konzentration, schlechtere Sorgfalt und geringere Geschicklichkeit kommt es zu einem deutlichen Leistungsabfall.

Über das Tabuthema Alkoholismus zu sprechen, ist eine unangenehme Angelegenheit und wird gemieden. Es vergehen daher manchmal Jahre, bis Alkoholkranke von Vorgesetzten und Kollegen auf ihr Problem angesprochen werden oder Konsequenzen drohen. In den meisten Fällen wird die fehlende Arbeitsleistung einfach durch Mehrarbeit anderer Mitarbeiter ausgeglichen.

Außerdem ist Alkoholsucht eine häufige Ursache für Krankmeldungen und unentschuldigtes Fernbleiben von der Arbeit. Alkoholkranke sind aufgrund von Rauschzuständen oder körperlichen Alkoholfolgekrankheiten öfter arbeitsunfähig. Studien zufolge sind sie etwa 2,5-mal häufiger krank als andere Mitarbeiter.

Trifft nach Gesprächen und Warnungen des Chefs jedoch keine Besserung bei Betroffenen ein, droht fast immer der Arbeitsplatzverlust. Alkoholkranke wechseln daher oft ihre Arbeitsstelle und sind zum Teil in Branchen beschäftigt, die gar nicht ihrer Ausbildung entsprechen. Daraus resultiert ein geringeres Gehalt und letztlich auch eine immer tiefer sinkende Motivation.

Betroffene fühlen sich nicht mehr dazugehörig oder gebraucht und verlieren dadurch ihren festen Halt. Das Selbstbewusstsein nimmt stetig ab und der berufliche und finanzielle Abstieg schreitet unausweichlich weiter fort.

Erhöhtes Risiko für Gewalt und Verkehrsunfälle

Im Durchschnitt werden 10% der Straftaten unter massiver Einwirkung von Alkohol begangen. Grund dafür sind den erregenden und zugleich enthemmenden Effekt des Alkohols. Somit besteht bei stark alkoholisierten Menschen die erhöhte Wahrscheinlichkeit für Körperverletzung, Beleidigung oder Sachbeschädigung. Insbesondere ganz schwere Gewaltverbrechen sowie Mord und Totschlag passieren unter Alkoholeinfluss.

Deutsche Statistiken weisen auf, dass bei fast jeder Gewalttat Alkohol eine entscheidende Rolle spielt. Speziell bei Tötungsdelikten ist dieses Phänomen auffällig: Etwa 40% der Totschlagfälle und 25% der Morde erfolgen alkoholisiert. Sogar bei Raubmorden und Sexualmorden beträgt der Anteil der unter Alkoholeinfluss verübten Taten zwischen 20 und 60% und bei Körperverletzung 33%. Aber auch »leichtere« Straftaten sind bei Alkoholkranken häufig vorzufinden.

Selbstüberschätzung, geringere Konzentration und schlechteres Reaktionsvermögen – Alkoholeinfluss spielt bei vielen Verkehrsunfällen eine große Rolle. Betroffene sind dabei sämtliche Verkehrsteilnehmer: von Autofahrern, über Radfahrer bis hin zu Fußgängern. Die Wirkung des Alkohols bedingt eine Beeinträchtigung sämtlicher Leistungsfunktionen, die eine sichere Teilnahme am Straßenverkehr voraussetzen.

Die Reaktionszeit lässt deutlich nach, das Sehvermögen ist eingeschränkt, und das Gleichgewicht ist stark vermindert. Weiterhin tendieren alkoholisierte Menschen neben Übermut zu Leichtsinnigkeit und einem niedrigeren Verantwortungsgefühl.

Trunkenheit am Steuer (ohne Unfall) wird in Deutschland folgendermaßen bestraft:

  • Ab 0,5 Promille: Geldbuße von 500 Euro, 4 Punkte im Flensburger Verkehrszentralregister und ein Monat Fahrverbot (höhere Strafen im Falle von Wiederholungstätern)
  • Ab 1,1 Promille: Führerscheinentzug für länger als 3 Monate, 7 Punkte in der Flensburger Kartei und eine Geldstrafe in Höhe von 30 bis 60 Tagessätzen
  • Ab 1,6 Promille: In der Regel dieselben Strafen wie bei 1,1 Promille plus medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU)

Fazit

Psychische und soziale Schäden sind fester Bestandteil von langjährigem Alkoholismus. Zu den häufigsten Hirnschäden zählen Leistungsminderung als auch Störung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Leitungsgeschwindigkeit.

Die sozialen Auswirkungen betreffen die Bereiche Familie, Arbeit und Öffentlichkeit. Insbesondere Familien Alkoholkranker sind ein zentraler Punkt und somit häufig zerrüttet. Kindern fehlt eine positive Umgebung und können genau wie Ehepartner an Co-Abhängigkeit erkranken.

Alkoholsucht ist ein schleichender Prozess, dessen massive Folgen fast immer stark unterschätzt werden. Meistens denken wir nur an die körperlichen Folgeschäden und vergessen dabei völlig, wie sich Alkohol auch negativ auf die eigene Persönlichkeit oder das soziale Umfeld auswirkt.

Die Wirkung von Alkohol mag angenehm und in geringen Mengen eher unbedenklich sein.
Fakt ist allerdings, dass zu viel Alkohol im Laufe der Zeit nicht nur den Körper, sondern auch den Geist, Beziehungen und Leben zerstört.

Grundlage dieses Artikels bildet das Buch »Wenn Alkohol zum Problem wird« von Michael Soyka. Foto: unsplash.com

Trifft auf einen alkoholkranken Angehörigen oder Freund eine der beschriebenen Folgen zu? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Ich bin sehr gespannt auf deinen Kommentar.

 

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